Neben der Hochkultur blühte in Mondsee und im Mondseeland im Verborgenen eine reiche Volkskultur. Einen besonderen Schatz stellen die vielen überlieferten Sagen und Legenden dar. Diese Texte sind Zeugnisse einer längst untergegangenen Erzählkultur. Sie entstanden im Volk, wurden mündlich weitergegeben und immer wieder verändert. Sie deckten das Bedürfnis nach Neuigkeiten und dienten auch der Erklärung der Welt.
Der Leiter des Museums Mondseeland, Mag. Anton Reisinger, hat über Jahre hinweg diese Sagen, Legenden und Erzählungen aus dem Mondseeland und der Umgebung bis St. Wolfgang gesammelt und für Jung und Alt neu erzählt. Viele der Erzählungen wurden mit geschichtlichen und geographischen Anmerkungen versehen. Nun wurden über 130 Erzählungen in einem Buch abgedruckt. Die Illustrationen stammen von Agneta Gräfin von Almeida.
Wundersames Mondseeland. 
Sagen, Legenden und Erzählungen
für Kinder und Erwachsene
Aus dem Mondseeland und seiner Umgebung
bis St. Wolfgang mit begleitenden Texten aus
Geschichte und Naturgeschichte.
Gesammelt und neu erzählt von Anton Reisinger
Illustriert von Agneta Gräfin Almeide
Autoren: Anton Reisinger, Georg Heilingsetzer
Herausgeber: Museum Mondseeland
Mondsee, 2006
ISBN.: 978-3-9502162-4-0
Preis: € 12,-
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Früher lebten die Menschen im Mondseeland meist nur in Holzhäusern und es gab noch kein
elektrisches Licht, kein Radio und auch noch keinen Fernseher. Am Abend war es oft nur ein schwacher
Lichtschein, der vom Ofen oder vom offenen Herd her in die dunkle Stube fiel. Kerzen waren sehr
teuer und wurden nur angezündet, wenn es wirklich notwendig war. Wenn dann der Wintersturm um
das Haus brauste und an den Fenstern rüttelte blieben auch die Erwachsenen in der warmen Stube
und manchmal erzählte einer Geschichten von der wilden Jagd. Die Kinder saßen dann still dabei und
hörten aufmerksam zu.
In den Rauhnächten um Weihnachten stürmte früher die wilde Jagd durch die Luft über die
Wälder und Felder des Mondseelandes. Ganz voran kam eine Meute vieräugiger Hunde und
dahinter sauste der Schwarm der wilden Reiter, von denen manche auf schwarzen Ziegenböcken
ritten. Die Menschen blieben angsterfüllt in ihren Häusern. Wer draußen angetroffen
wurde, den packte die Wilde Jagd und nahm ihn mit. Nur über diejenigen, die sich flach auf
die Erde warfen und einen Rosenkranz oder die etwas Geweihtes bei sich trugen, stürmte der wilde
Haufen hinweg.
Manchmal sauste die Wilde Jagd auch durch die Straßen von Mondsee bis vor das große
Tor des Klosters. Wenn dann der Abt ein goldenes Kreuz erhob, verschwand die lärmende
Geisterschar.
In St. Lorenz kam die Wilde Jagd aus den Schluchten der Drachenwand. Dann brauste es über den Häusern und der Wind rüttelte an den Türen und Fenstern. Die Holzknechte schlugen nach dem Fällen eines Baumes mit der Hacke drei Kreuze in jeden frischen Baum-stumpf. Wer ich dort niedersetzte, über den hatte die Wilde Jagd keine Gewalt. Die drei Kreuze mussten aber mit sechs Streichen gelingen, sonst waren sie wirkungslos.
Heute fürchtet sich niemand mehr vor der Wilden Jagd. In den Rauhnächten zu Weihnachten, zu Neujahr
und vor dem Dreikönigsfest geht man in vielen Häusern noch heute mit Weihrauch durch die Zimmer, in
den Bauernhäusern auch durch Stall und Tenne. Das soll Glück bringen und Unheil fernhalten. Manchmal
werden noch heute mit der Motorsäge drei Kreuze in die Schnittflächen der gefällten Bäume geschnitten.
Auszüge aus dem Buch bei Google-Books
omnipublica verlags- und werbegmbh,
werbeagentur, buch- und zeitschriften verlag im Mondseeland
gewerbestr. 5, 5310 Mondsee